Samstag, 30. Januar 2010

Neureich

Es ist stickig. Obwohl die Gemäuer um mich rum gefühlte 10 Meter hoch sind, kämpfe ich mit Platzangst. Irgendwie erinnert mich das alles an ein mehr oder weniger luxuriöses Verlies, und wir sind alle seine Insassen.

Eigentlich wollte ich mir ja nur einen ordentlichen Rausch abholen. Also dränge ich mich durch das Getümmel zu Bar. Die Barkeeper sehen ähnlich aus wie der Rest des Publikums: Neureiche, versnobte Schnösel (mal ausgenommen die Abiturienten, die hier ihre Facharbeitsabgabe feiern).
Neben mir an der Bar steht ein Pärchen mitte dreißig und grölt lauthals die electro-gemixte Version von irgend einem supertollen Chart-Hit mit, anstatt mal 2cm zur Seite zu gehen, damit ich auch mal in die nähe des snobby-Ausschenkers komme. Ich klopfe den beiden mal geistig auf die Schulter, bravo, haben wir also unsere MTV-Hausaufgaben gemacht!
Nachdem ich mich also 15 Minuten lang langsam an die brennende Bar vorgetastet habe, bin ich um einen Wodka Bull reicher und um sensationelle 9,50 € ärmer. Egal jetzt, runter damit, Zigarette anzünden, spaß haben mit guten Freunden und dem liebsten. Vorbei an der dicken mit dem viel zu kurzen Kleid ("Das rutscht andauernd hoch!"), vorbei an noch ein Paar Leuten, die man eigentlich nicht sehn will, vorbei an noch mehr schlecht gekleideten Mittzwanzigern, bishin zu den freundlichen, vertrauten Gesichtern.
Nach einer Dreiviertel Stunde beschließen meine bessere Hälfte und ich den Abend doch lieber im Bett ausklingen zu lassen. Zu teuer, zu snobbig, zu voll, zu stickig, zu gar-nicht-unseres.
Also, wer sich schon immer mal richtig geil besser-als-das-normale-Volk fühlen wollte, auf ins Berysphär in München.

In Zukunft geh ich nur noch auf Hauspartys.

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Entschuldigt bitte meine längere Abwesenheit, Zeit fehlt im Moment. Hab' trotzdem ausnahmsweise mal eine helle Stunde am Tag erwischt, um einen Teil meiner NastyGal-Bestellung zu offenbaren:



Samstag, 16. Januar 2010

Mindestens in 1000 Jahren

Wir wollen die Freiheit der Welt,
und Straßen aus Zucker,
schneien soll's Geld und
ab und zu Futter,
für Kanonen aus Plastik auf Panzern aus Watte,
in 1000 Jahren sind wir Klassik.





Das ist Kunst
mindestens in 1000 Jahren,
du summst ,
mindestens ein Tausend mal,
mit uns,
oder allein,
das ist Kunst,
O Nein
O Nein
O Nein...


Frittenbude - Mindestens in 1000 Jahren





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außerdem:



für über 120 Leser!
(die 100 hab ich irgendwie verpasst.. :>)

Mittwoch, 13. Januar 2010

The best things in life are free

Aufregung, gleich kommt der große Sturm. Adrenalin, Nervenkitzel pur. Alles ist still, tausende von Menschen, kein Laut. Das Intro, der Nebel.. mein Herz klopft schneller, ich freue mich so sehr.
Doublebase, Gitarren, melodischer, harter Sound, tiefe Growls, fantastische Stimmen. Das Gefühl in so einem Moment ist kaum zu beschreiben. Die Menge geht mit, alle sind eins.
Das ist For Those Who Have Heart.

Frischer Regen prasselt auf viel nackte Haut. Die arme ausgebreitet, ich bin der König der Welt. Die von der vielen Sonne aufgehitzte Haut kühlt langsam ab, jede Pore genießt die schweren, nassen Tropfen. Tief einatmen, einmal im Kreis drehen, durchnässt den Himmel anlachen, Kind sein.

Morgensonne kitzelt im Gesicht, die Träume lösen sich langsam vom tiefen Schlaf, breiten ihre Flügel aus und schweben weit, weit weg. Bis bald!
Realität schimmert goldgelb durch die geschlossenen Augenlider. Noch bevor man diese hebt und vorsichtig zu blinzeln beginnt, huscht ein kleines Lächeln über die Lippen. Es duftet nach frischem Gras, hie und da summt es. Das Fenster ist weit geöffnet.





Das kleine Wollknäuel auf meinem Schoß, das ich gegen keinen sabbernden Kläffer auf diesem Planeten eintauschen würde.
Der Moment, an dem du geboren wurdest! Alle deine Geschwister sind gestorben. Alle vier. Du warst ganz alleine. Mama wollte dich dann auch nicht mehr, also war ich deine Mama. 11 war ich damals. Katzenmama, hat meine Mama immer gesagt. Jetzt sind wir ein unschlagbares Team. Fast wie Cap und Witwe Tweed. Wir schlafen zusammen ein, und wachen zusammen auf. Treueherz!

Mein Gesicht in diesen großen, warmen Händen. Beruhigende Worte, wie Honig für die Seele, wie Salbei für das Herz. Liebe Worte. Liebende Worte. Augen, die nur mich sehen. Tief, vielsagend, sicher. Er streicht eine Strähne aus meinem Gesicht, die Welt um mich rum verschwindet. Schon wieder. Wie immer. Ich fühle mich geborgen, sicher. Keiner kann mir was tun. Dieser Mensch würde für mich sterben, und ich für ihn. Und ich find das alles so ganz und gar nicht kitschig. Es ist großartig. Beste. Unbeschreiblich, unendlich, mehr als alles anderes. Es ist absolut, es ist Siebenundzwanzig, es ist Liebe.


Montag, 11. Januar 2010

Goa

"Ähm.. Entschuldigung.. also..arbeitet hier ein Daniel? Oder... kennst du ihn, ist er hier?"
die blonde Frau an der Kasse nickt. Von neben ihr meldet sich eine grimmige Stimme "Warum willst du das wissen?" Immer die bösen, bärtigen, langhaarigen Männer. Ich grinse über beide Ohren, ich weiß ja, dass ich sowieso gewinn' (weil ich'n Mädchen bin, und so).
"Er hat gesagt, ich soll ihn suchen, wenn ich das nächste mal im Backstage bin. Ihr habt mein Foto für eure Silvesterparty verwendet…" Ich muss gar nicht weiter reden, die Miene des Brummbären ändert sich schlagartig, er grinst und sagt "Ahhh, DU bist das!", macht auf dem Absatz kehrt, und verschwindet nach hinten ins Büro. Die ewig lange Schlange an der Kasse guckt schon ganz böse, weil ich offenbar den Verkehr aufhalte. Macht nichts, denk ich mir, so beschissen wie heute wars im Backstage sowieso noch nie. Und es ist eigentlich IMMER beschissen zum weggehen. Auf Konzerten natürlich nicht. Muss aber Geschmacksache sein, sonst wäre der Laden ja nicht immer pappelvoll (auf keine Ahnung wie vielen Areas…).
Ich weiß auch gar nicht mehr, warum ich so heiß darauf war, heute hier hin zu gehen. Goa-Party, das sagt ja eigentlich schon alles.. aber man hätte sich mal informieren sollen. Harter Elektro kann ja eine super Sache sein, aber um Gottes willen, warum hat mir keiner gesagt, dass Goa so was unglaublich extrem hart beschissenes ist? Das ist kein positives Kopfgefikke mehr, sonder mehr ein Pürierstab fürs Gehirn, mit mehr als 100.000 Umdrehungen pro Minute. Eigentlich wollt' ich ja aufs Blumentopf Konzert.. aber dafür sind wir viel zu spät. Stattdessen ist in der anderen Area drüben Hiphop-party. Aber da ist's so voll, dass man beim besten willen nicht weiter als bis zur Tür kommt.
Also sind Christina und ich schnell wieder raus. Blöd nur, dass wir beide 10 EUR Eintritt gezahlt haben.. urgh. Also alle Register ziehen:
Seit Silvester hat der Club nämlich was gut bei mir.
Da sitzt man ein paar Tage vor Silvester ahnungslos vor'm Computer, guckt mal was so los ist, und findet sein eigenes Bild, geschossen von mir und mit mir, auf der Startseite von der Backstage München-Homepage. Konnte mich nicht erinnern, dass mich jemand um Erlaubnis gefragt hätte. Grummelgrummelgrummel. Also ruf ich da an. Der Brummbär am Telefon entschuldigt sich, und gibt mir die E-mailadresse vom ominösen Daniel - der entschuldigt sich ebenfalls und schreibt, ich soll ihn doch einfach das nächste mal suchen, dann bezahlt er mir den Eintritt, oder so'n kram. Nagut.
In meiner verzweifelten Lage, die 10 EUR nicht umsonst gezahlt zu haben, hab ich mich von der guten Chrissy überreden lassen, den werten Herren zu suchen.. geredet hat aber eigentlich die Christina, die kann das irgendwie besser.
"Oh.. ah.. DU bist das.. ja ach das tut mir ja so leid.. hier!" Der Mann mit der Brille drückt mir gefühlte 48392457389 Getränkemarken in die Hand. Ich bin ein wenig verdattert. "Nein nein. Weißt du, uns gefällts heute leider nicht soooo gut hier, deshalb dachten wir, wir könnten eventuell den Eintritt zurück bekommen.." Chrissy ist eingesprungen, Gott sei dank.
"Also, 20 EUR in die Hand drücken kann ich euch leider nicht.. aber machen wirs so.. wann immer du auf ein Konzert hier willst," er wendet sich wieder mir zu, "schreibst du mir einfach, und ich setze dich plus Eins auf die Gästeliste, das ganze Jahr über."
Oha.
Ich nicke schnell, nicht, dass er das wieder zurücknimmt.
Scheiss auf die 10 Euro!

Enter Shikari ich komme! Und weil's umsonst ist, zieh ich mir Kool Savas, Method Man, Prinz Pi und Pennywise für meinen Bruder auch noch rein, und natürlich noch ein paar für die liebe liebe Christina!

*zensiert*
(@ Vapiano, leckerlecker..)
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outfitzeug:


P.S. Die schöne Seite des Backstage-Abends gib es übrigens hier zu lesen. Die hat's natürlich noch zu Blumentopf geschafft.. ;)

Montag, 4. Januar 2010

Es gibt was Umsonst!

Menschen sind verdammte Aasgeier. Schon mal aufgefallen, wie sich unsererseits verhält, wenn's mal nichts kostet? Wenn's egal ist, nicht sein Eigen, und man sich sowieso nicht drum kümmern muss?
Wie Elefanten im Porzellanladen. Dann herrscht Anarchie, anders kann mans nicht ausdrücken.

Silvester war das so.

Der nächste Morgen zeigte erst das wahre ausmaß der letzten Nacht.
130 Leute. Ein Wohnzimmer. Flatrate-saufen für 15 EUR.
Manieren? Doch nicht an Silvester!

Ich stehe auf und ziehe mir erstmal die Schuhe AN. Draußen könnte man im Moment eher barfuß laufen als hier..
Alles klebt. Ich meine wirklich alles. Die Dusche hätte ich mir sparen können. Selbst der fiese Geruch von abgestandenem Alkohol, erbrochenem und verbrauchter Luft klebt an der Nase. Das bemerkenswerteste allerdings ist die Menge an herumstehenden Flaschen und Becher. Alles wurde als Abstellplatz missbraucht. Jedes Fensterbrett, der Schuhkasten, die Boxen, das DJ-pult, der Kamin. Es gibt keinen noch so winzigen Fleck, auf dem man noch was abstellen könnte. Mindestens 75% der da rumstehenden Getränke sind entweder halb- oder sogar noch komplett gefüllt. Bierflaschen, die geöffnet und unberührt gleich wieder abgestellt wurden, hunderte von Plastikbechern gefüllt mit Wodka-Bull, Whiskey-Cola oder Wodka-Lemon (der übrigens ein sanftes, leuchtendes Grün angenommen hat). Warum sollte man auch seinen Becher suchen gehen, wenn's 'nen neuen sowieso For Free gibt?
Das einzige Regal, dass wir nicht aus dem Wohnzimmer geräumt haben, ist zerstört. die einst weiße wand muss neu gestrichen werden.
Der Garten ist ebenfalls überfüllt mit Getränkeflaschen und Becher. Hier natürlich auch auf dem Boden. Die Bar ist als solche nicht mehr erkennbar..

"Schon" zwei Tage später sah alles wieder aus wie vorher.
Happy New Year, und so!


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Warm soll es werden, dann muss man die schönen Klamotten nicht mehr so verstecken.
Deichmann Boots, Zara Longshirt, Lesjumelles Necklace.