Viele von euch fragen mich immer wieder, wie das so läuft in meinem Studium, und wie man da eigentlich reinkommt.
Zuerst einmal: Der jetzige Versuch war mein zweiter. Ich habs auch schon mal nach meinem Fachabitur versucht - aber vergeblich.
An den meisten Design Hochschulen in Deutschland muss man wohl erstmal eine Mappe seiner Arbeiten zusammenstellen - hier ist es natürlich immer ganz gut, mal bei einem Tag der offenen Tür oder einem Mappenvorbereitungskurs vorbei zu schauen. Ich habe keins von beiden gemacht.
Was die jeweilige Hochschule für eine Mappen will steht meistens bei der Bewerbung irgendwo im Internet dabei. Damit meine ich nun ob nur Einzelfotografien rein sollen, oder ob in Serien gearbeitet werden soll - meistens aber werden Serien gewünscht.
Meine eigene Mappe für die FH München war sehr verspielt. Ich habe mir keine gekauft, sondern eine komplett selber gebastelte abgegeben. Hier ein Bild:

Ich kann euch natürlich nicht sagen, ob das nun gut angekommen ist oder eigentlich als total beschissen empfunden wurde. Das wird einem ja nicht verraten. Ich kann mich nur gut daran erinnern, wie ich sie wiederbekommen habe. Der Professor hat sie mir in die Hand gedrückt und meinte "Ah, von dir ist die also!" ;)
Jedenfalls: Wenn deine Mappe genommen wird, darfst du dann auch zur eigentlichen Aufnahmeprüfung.
Am ersten Tag gab's erstmal nen dicken Fragebogen. Aufgeteilt war er in Allgemeinwissen, Logik, Fotogeschichte und Fotoallgemeinwissen. Klingt erstmal fies, ist es aber wirklich nicht, außerdem war alles Multiple Chice. Ich versuche mich mal an ein paar Fragen zu erinnern.
Der Logik Test bestand z.B. aus:
Haus - Dach; Kopf -
a) Augen
b) Mund
c) Haare
d) Hals
..was ja jetzt nicht so die Welt sein sollte, haha.
Allgemeinwissen war aufgeteilt in ein paar Matheaufgaben (hauptsächlich Sachen, die man locker mim Dreisatz lösen kann) und eben ein Paar Fragen über Politik, oder was sonst so in der Welt los ist.
Zum Beispiel:
"Wie heißt der Regisseur von der Pate?" (Diese Frage kam anscheinend schon zum 2. Mal in Folge)
"Mit welcher Band hat Andy Warhol zusammengearbeitet?"
"Wie hieß die einzige KandidatIN bei der diesjährigen Bundespräsidentenwahl?"
Im "Fotogeschichte" Teil kann ich mich noch sehr gut diese Frage erinnern:
Wer ist KEIN berühmter Fotograf?
a) blabla
b) blabla
c) Hillary Clinton
d) blabla
Kein Scherz, das war wirklich so ;) Dann gabs noch Fragen wie
"Wer hat die Schwarz-Weiss Fotografie geprägt?"
Fototechnik gabs folgendes:
"Wie wirkt sich eine geöffnete Blende auf das Bild aus?"
"Von was hängt Perspektive ab?"
"Was ist ein Episkop?",
"Was ist ein Polarisationsfilter?"
Der letzte Teil des Fragebogens bestand aus einer kleinen praktischen Aufgabe:
Wir sollten mit Hilfe eines weißen Dinar Blattes und 4 Holzschaschlikspießen ein Gebäude basteln.
..
Ja, genau so hab ich mich auch gefühlt.
Aber letztendlich war ich heilfroh dass wir nichts Zeichnen mussten ;) Was ich da nun gebastelt habe kann ich wirklich nicht beschreiben.. ich hab alles zerbrochen und zerrissen, und am Ende habe ich mein Kunstwerk "Orientalisches Gartenhaus" getauft. ;)
Nachdem man den Fragebogen abgegeben hatte, bekam man einen weiteren Zettel in die Hand gedrückt, jetzt stand der eigentliche praktische Teil an. Wir sollten uns im Vornherein bereits zwei Einweg-Kameras besorgen. Ein paar hatten Modelle von Kodak etc., ich bin einfach in Müller gerannt und hab mir für ein Paar Euro drei von diesen Dingern gekauft.
Unser Thema hieß "Stadtgefühl". Insgesamt durfte man also zwei Kameras verknipsen, abgeben musste man dann 5 ausgewählte Bilder. Ich habe meine extra mal eingescannt für euch:

(klick mich)
Für die Aufgabe hatte man unendlich viel Zeit. Ich bin davor erstmal was essen gegangen, bevor ich mir überhaupt ÜBERLEGT hab, was ich tue.
Abends, ich glaube so um 18 Uhr, mussten die Bilder dann in einem kleinen Fotoladen abgegeben werden um sie entwickeln zu lassen. Der Fotoladen war natürlich im Bilde über die Prüfung und hat nach 18 Uhr einfach keine Kameras mehr angenommen.
Am nächsten Tag wurden wir wieder alle zusammengepfercht in einen Raum und nach und nach zu einem persönlichen Gespräch (immer zu dritt) in einen kleinen Raum nebenan gebracht. Das Gespräch verlief ganz locker, keine fiesen Fragen, alles war freundlich und überhaupt nicht Bewerbungsgespräch-mäßig. Wir haben unsere 5 Stadtgefühl Bilder vorgestellt, ein bisschen was erzählt und das wars auch schon. Gefragt wurden wir nur, was wir denn schon so mit Fotografie gemacht haben bisher und was wir denn eigentlich vorhaben, wenn wir nicht genommen werden würden
Ich habe gesagt, dass ich es nochmal versuchen würde. Und nochmal. Und nochmal. Und nochmal. ;)
Ich hoffe ich hab' euch hiermit einen relativ guten Einblick gewährt.. für Fragen bin ich natürlich immer offen - aber bitte wenn Möglich via Formspring und nicht via Kommentar!