Dienstag, 10. Mai 2011

abrechnen

(edit: natürlich gibt es immer jemanden, den man gern hat in so einem haufen!
und nein, es geht hier NICHT um die schulzeit.)

es gibt dinge, die unglaublich schwierig sind auszusprechen. wenn die welt um dich herum erwartet großartiges zu leisten, weil man ja so ein glück mit dem hat, was man bekommt. weil nach außen hin niemand verstehen kann, welch fieser schwarzer schatten eigentlich über dem glorreichen schein liegt.
aber heute, als ich mal wieder mit meiner mitbewohnerin In der WG Küche rumlungerte, habe ich mich dazu entschlossen den ganzen blödsinn endlich mal sacken zu lassen - und es auszugsprechen.

mein zwanghaftes bedürfnis nach harmonie hat mir ein ganzes jahr meines jungen lebens versaut. ich habe ca. 10 Monate damit verbracht, menschen die absolut nichts für mich übrig hatten davon zu überzeugen, mich zu mögen. ich bin daran verzweifelt, ja fast zu grunde gegangen. jedem alles recht zu machen ist leider schier unmöglich, aber sowas bemerke ich immer erst wenn es zu spät ist.
ich erinnere mich an die tägliche busfahrt und das krampfige gefühl im magen. mein körper hat alles versucht, um mir den tag zu versauen. mir wurde schlecht bei dem gedanken, dass ich erst viele stunden später heim kommen könnte. meine hände ballten sich zu fäusten, mein herzschlag gleichte einer doublebase. ich hatte das gefühl, ich könne die missgunst mir gegenüber riechen, sobald ich den raum gefüllt mit menschen betrat. manchmal blieb ich minutenlang eingefroren an einer einzigen stelle stehen, nur um die zeit zu vertreiben, nur um nicht vor die tür gehen zu müssen wo all die anderen stehen.
und trotzdem konnte ich es nicht vermeiden. irgendwann, nach vielen monaten saß ich doch an diesem ewig langen gottverdammten holztisch, ganz rechts am rand, wie ein häufchen elend. vor mir authorität, recht von mir autorität, links von mir jemand der eher ein angstgefühl als respekt in mir auslöste. klären sollte man das ganze, weil da "ja offensichtlich was in der luft liegt". ich glaube, ein glucksen war alles was an diesem tag von mir zu hören war. all die anderen worte die mir auf der zunge lagen wurden verschluckt von einem wasserfall und hysterischem gehickse. so geweint hatte ich nicht mehr seit der 4. klasse.
irgendwann, schon ganz am ende dieses jahres wurde ich gefragt, ob ich eine essstörung habe. von einer person, die vorher normalerweise keinen her um ihre abneigung mir gegenüber machte. sie erkundigte sich sowieso nur aus reiner neugier. kann man ja mal fragen. nicht, dass es irgendwie relevant wäre, wäre es denn so gewesen. natürlich bin ich nicht auf die toilette gegangen um zu brechen. ich wollte eben nur weg von diesem tisch, mit all diesen menschen, die jedes deiner worte auf die goldwaage legen und generell immer einen gemurmelten blöden spruch hinterher schubsen müssen.
ich war keine gute mitarbeiterin. ich war lustlos, unmotiviert, uninteressiert. meine taten waren nie genug, meine fragen irrelevant und so bescheuert, dass sie einer beantwortung meist gar nicht bedürfen. wie, du weißt das nicht? irgendwann hat man eben keine lust mehr auf fragen stellen, wenn man vorher erst einmal wieder als hirnloser teenager hingestellt wird.
ein paar monate später, als ich all das bereits hinter mir gelassen hatte, schrieb ich eine nette e-mail und erkundigte mich, was es denn so neues gibt, wie es so geht, erzählte von mir, erzählte von meinem studium.
ich habe nie eine antwort bekommen.

der schwache außenseiter ist eine rolle, die ich vorher niemals kannte und sie hoffentlich auch nie wieder kennenlerne. der ausdruck sich klein zu fühlen bekommt hier eine ganz neue bedeutung.
trotzdem, und das hat man mir heute klar gemacht, kann ich an solchen erfahrungen nur wachsen.
darüber zu sprechen oder es gar öffentlich zu machen ist meine entscheidung,
meine ganz allein.



_______________


wie einmal gibt es hier einen harten schnitt in meinem blogpost. bei diejenigen, die meine texte zu schätzen wissen entschuldige ich mich hiermit dafür.

ich hatte heute keine lust auf standart ich-stell-mich-in-mein-zimmer oder geh-raus-ins-grüne outfitbilder. also hab ich die conny gebeten, mit mir vor die tür zu gehen mit meiner softbox. die nachbarn haben da geguckt, sag ich euch ;)





cardigan: american apparel; schuhe: OSCO (wieder der billigladen unterm marienplatz); strumpfhose, tasche: H&M; kleid: forever21



ein bisschen blöde dastehen muss ja auchma sein. high five on that




24 Cmts:

  1. tut mir sehr leid für dich das du sowas ertragen musstest und das andere es immer wieder nötig haben einen anderen menschen schlecht und klein zu machen versteh ich nicht glaub mir fehlt da das richtig gen

    AntwortenLöschen
  2. same here... hätte ich nicht so etwas erlebt, wäre ich heute nicht der mensch, der ich bin :) also bin ich irgendwie auch etwas dankbar für die dehmütigungen und die angst... das ausschließen und beschimpfen... nur dadurch weiß ich, dass ich so etwas nie wieder an mich heranlassen werde.
    ich hoffe dir geht es genau so :*

    AntwortenLöschen
  3. Erstmal: tolle Bilder!

    Dein Text ist unglaublich gut geschrieben und ich finde mich teilweise selbst darin wieder. Ich denke auch, dass jeder so etwas mal durchmachen wird im Leben. Daraus lernt man und entwickelt sich in seiner eigenen Persönlichkeit weiter. Lass dich nicht unterkriegen!

    By Änna

    AntwortenLöschen
  4. Der Text erinnert mich an meine Abi-Zeit,
    kann mich nur dafür bedanken,
    spricht mir wirklich aus der Seele.
    Aber du hast Recht, was einen nicht umbringt, macht einen stärker :)

    Schöne Bilder übrigens :)

    AntwortenLöschen
  5. Dein Text macht hoffentlichen einigen Leuten bewusst, dass es jeden treffen kann. Keiner ist davor sicher. Mir ging es in der Schulzeit nicht anders. Ich sah allerdings auch nich etwas anders aus damals. Heute habe ich nen geilen Job, fahre ein schöne Auto, hab nen super Freund und sehe ansehnlich aus. Und plötzlich kommen die Menschen, die einem damals das alles angetan haben auf einen zu, und fragen dich wie es dir geht und ob du Hilfe brauchst. Es ist einfach ekelhaft. Dafür haben sie mir etwas gegeben. Sie haben mir beigebracht mich zu lieben so wie ich bin.

    LG Jule

    AntwortenLöschen
  6. wie krass, ich hätte gedacht, du wärst die "beliebte künstlerin mit dem coolen style" im abi gewesen! so kann man sich täuschen. ich find dich gut!

    kirschkern-productions.blogspot.com

    AntwortenLöschen
  7. erst einmal sehr schöne bilder :) der text ist super geschrieben und an manchen stellen dachte ich echt "ey das bist du". aber genau an solchen dingen wächst ja der mensch und wird stärker und auch wenn es sich vielleicht komisch anhört,aber aus allem schlechten zieht man das gute für sich raus und lernt halt daraus :)

    AntwortenLöschen
  8. verena, ich rede da aber nicht von meiner abizeit. :)

    AntwortenLöschen
  9. wow... was für ein text!!!
    und die bilder. wunder wunderschön ;)

    AntwortenLöschen
  10. hätte nicht gedacht, dass jemanden wie dir so etwas passiert - und das ist jetzt nicht irgendwie böse gemeint, ich meine nur, du wirkst hier so selbstsicher und du wirkst auf mich wie ein total cooler, sympathischer mensch.
    aber andererseits zeigt mir das auch, dass manche leute keinen grund brauchen. man denkt irgendwie immer ein bisschen, man ist selbst schuld, wenn man als opfer ausgesucht wird. in manchen fällen ist das vielleicht auch ein stück weit so, aber oft ist es einfach zufall und durch rein gar nichts zu rechtfertigen.
    ob abizeit oder ausbildung oder irgendwann mitten im leben ist eigentlich ja auch egal - ich habe dieses gefühl auch kennengelernt und ich finde es stark, dass du damit "an die öffentlichkeit" gehst. danke!

    AntwortenLöschen
  11. so gehts jedem mal.
    "Jeder Erfolg, den man erzielt, schafft uns einen Feind. Man muss mittelmäßig sein, wenn man beliebt sein will."
    hat der gute Oscar Wilde gesagt und ich finde es stimmt.

    AntwortenLöschen
  12. Ich habe mich noch nie in der Rolle gefunden; höchstens mal als Außenseiter, aber das hatte mich damals nicht gestört, weil ich immer noch einige gute Freunde hatte. Bzw. selbst mit dem Rest nichts zu tun haben wollte....dass es dir dabei so schlecht ging, tut mir leid. Ich finde es grausam, wenn einem schon der Angstschweiß im Bus auf der Stirn geschrieben steht. So sollte es niemandem gehen.

    Aber du hast Recht; man wächst an so was. Und ich finde es gut, dass du deine Geschichte hier erzählt hast.

    AntwortenLöschen
  13. jap ich kenne sowas auch. aber ich hab mich immer durch gekämpft. und man lernt daraus. das gibt einen die kraft die man eig. braucht :)
    lg
    glampur.blogspot.com

    AntwortenLöschen
  14. ich kann dir sowas von nachfühlen...mir gings schon so oft so und immer wieder war ich so dumm...

    AntwortenLöschen
  15. was soll ich sagen. Text TOP bilder TOP du TOP!
    http://luma-yeah.blogspot.com/

    AntwortenLöschen
  16. Genau dieses Problem hatte ich bei meinem Praktikum. Es war einfach furchtbar.

    Aber letztendlich möchte ich diese zeit nicht rückgängig machen. Ich habe bei diesem Praktikum meinen Freund kennen gelernt, mit dem ich inzwischen zusammen wohne. Ich weiß, dass damals alle dachten, dass "die kleine Praktikantin" eh nur eine Affäre sei.
    Tja & wenn mein Freund mir jetzt erzählt, dass mal wieder jdm nachgefragt hat, wie es "mit mir läuft" & er mit einem "wunderbar" die zweifelnden Blicke zur Kenntnis nimmt, dann weiß ich: Auf diese Menschen kann ich getrost verzichten. :)

    Ja, wieso habe ich das geschrieben?
    Weil es uns allen mal so geht, glaube ich. :)

    AntwortenLöschen
  17. Ich wollte dir mal sagen,das ich mich jedesmal freue wenn ich sehe das du was neues gepostet hast!
    Deine Texte sprechen bestimmt jeden an,mich jedes mal..
    und deine Fotos sind immer wunderschön.
    mach bitte weiter so

    AntwortenLöschen
  18. ich liebe deine Bilder!
    mal ne ganz dumme Frage, was hast du für ne Kamera?
    ganz super liebe grüße ;*

    AntwortenLöschen
  19. dein text ist einfach so wahr. ich kenne dieses ungute bauchgefühl. ich war auch einmal in dieser position in der man sich super klein gefühlt hat und einfach kein selbstwertgefühl hat. doch jetzt weiß ich das man daran wächst, und werde mich nie wieder in solch eine position drängen lassen. und darüber zu reden hilft enorm.
    liebe grüße

    AntwortenLöschen
  20. Ohje... das kenne ich auch nur zu gut. Man kann immer die größte sein, aber dann kommt man in eine Gruppe wo man am liebsten durch den Tuürschlitz wieder gehen würde und sich nur zwingt das zu ertragen :/
    Aber .. wie du schon sagtest, man wächst daran!

    Lg (:

    AntwortenLöschen
  21. Der Text ist wie immer so wunderbar!!!
    Mir geht es an meiner Schule momentan ähnlich. Ja, ich weiß, es geht in deinem Text nicht um deine Schulzeit ;D Aber bei mir ist es ungefähr so. Ich lese deine Texte immer so unglaubelich gern. Ich brauch mehr davon! (:

    Achso, die Bilder sind auch echt gut :D

    AntwortenLöschen
  22. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
  23. Ach die Nachbarn haben ja gar keine Ahnung, was für tolle Fotos du da gemacht hast (:

    AntwortenLöschen